Liebe Pfarrfamilie, liebe Gäste am Semmering,
für den heurigen Sommer, für die Ferien- und Urlaubszeit möchte ich euch ein Wort des Märtyrers Dietrich Bonhoeffer (ermordet im KZ Flossenbürg 1945) mitgeben: „Die Kraft des Menschen ist das Gebet. Beten ist Atemholen aus Gott. Beten heißt, sich Gott anzuvertrauen. Das Gebet ist das Herz des christlichen Lebens.“
Wer das liest, spürt bereits eine Erleichterung des Herzens, erfährt innere Freude und den Beginn einer Erholung der Seele. Darum geht es doch überall dort, wo Menschen Abstand vom Alltagsstress suchen.
Vielfach wird dieser Abstand nicht ermöglicht, weil man davon ausgeht, auf alles, was man bezahlt hat, ein Anrecht zu haben. Für viele Menschen ist das Wort Gastfreundschaft zu einem Fremdwort geworden. Egal, wo man sich befindet, um sich zu erholen: Außerhalb seiner vier Wände ist man ein Gast, der sich auch als solcher benehmen möge.
Es heißt in einem Kirchenlied: „Wir sind nur Gast auf Erden.“
Letzten Endes gehört uns nichts. Es ist ein wirkliches Erholen unseres Leibes und unserer Seele, wenn wir mit Gott sprechen. Er versteht jede Sprache, auch das ungeübte Stammeln. Das Gebet ist Atemholen aus Gott. Er hat den längeren Atem. Beruhigend ist es, wenn wir uns ihm anvertrauen.
Als Seelsorger erlebe ich jeden Tag, wie notwendig es für mich vor allen anderen Dingen ist, mich Gott anzuvertrauen. Es tut einfach gut. Gebet wendet die Not. Das meint dieses Wort „not-wendig“. Ich kann unseren Ordensvater Paul vom Kreuz gut verstehen, wenn er verkündet: „Die Liebe Gottes ist wie das Meer.“ Von seinen ersten beiden Klöstern auf dem Monte Argentario hatte er einen wunderbaren Blick auf die unendliche Weite des Meeres. Ein solcher Blick lässt das Herz höher schlagen und die Seele „baumeln“.
Am 29. Juli feiern wir den Gedenktag der Freunde Jesu, Martha, Maria und Lazarus. Dort suchte der Herr oft Ruhe und Erholung. „Jesus liebte aber Martha, ihre Schwester und Lazarus“ (Joh 11,5).
So wünsche ich allen von Herzen einen neuen Zugang zum Gebet als Schlüssel zur wahren Ruhe und zu neuer Lebenskraft.
Es grüßt und segnet
