November 2012

Liebe Geschwister im Herrn,

eigentlich lautete die Schlagzeile des Pfarrbriefes: „Wer für Gott keine Zeit hat, für den hat Gott keine Ewigkeit.“ Ich dachte mir, dass in Zeiten wie diesen eine Nachricht ruhig gut lauten darf. Besonders jetzt wird wieder die Begrenztheit des Lebens wahrgenommen: Die Flora „stirbt“ ab, zieht sich tief in die Wurzeln zurück. Die Übermütigkeit sommerlicher Lebensfreude wechselt zu nachdenklicherem Verhalten bei früher Dunkelheit, und die Lebenskraft scheint abzunehmen wie das Tageslicht.
Es tut deshalb gut, sein eigenes Leben und das sogenannte Lebenswerk im Licht der Güte Gottes zu betrachten:
Angefangen hat dieses „Wunder Leben“ vor undenklichen Zeiten. Im Buch Jeremia heißt es: „Noch ehe ich dich im Mutterschoß bildete, habe ich dich gekannt“. ( Jer 1, 5 ) Hier spürt der Gläubige bereits die wohltuende Geborgenheit und Zuneigung, die dem kalten und deprimierenden Unglauben an ein Zufallsprodukt menschlicher Existenz widerspricht. Überhaupt wird beim Betrachten der Sanduhr am Titelbild klar, dass ohne die Verankerung des Lebens in Gott, das Leben wertlos ist, wie der verrinnende Sand.
Es wäre die Zeit wert, wieder öfter im heiligen Evangelium nachzuschlagen und tagsüber – je nach Möglichkeit – einen kurzen Abschnitt zu lesen.
Besonders geeignet zum Nachdenken in diesen Tagen erscheint mir die Erzählung bei Lukas 12, 13 - 21. Jesus nennt ein Beispiel sinnloser Lebensweise, wie sie heute häuftig zutrifft. Ein Reicher fährt wieder einmal eine reiche Ernte ein. Da reichen die vorhandenen Depots nicht mehr. Nach einer gründlichen Analyse – so würde man es heute ausdrücken – kommt er zum Entschluss, neue Gebäude aufzuführen um zu horten und zu horten... für den ureigenen Vorteil und das zu vergöttlichende Ego.
„Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.... So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist“.
Mancher diesseitig orientierte Mensch verwehrt sich zeitlebens der Stimme des Gewissens und dem Anruf Gottes. Wird da das Wort Gottes, das er im Augenblick des Hinscheidens nicht mehr überhören kann, heißen „du Narr“?
Um so dringlicher ist es also, Zeit zu haben für Gott, für die Aussprache mit ihm, vor allem aber für den Lobpreis dessen, der unser Leben gewollt und gewoben hat.
Wer diese Zeit mit Gott führt, ist ein kluger Mensch, dem die einzige Zukunft sicher ist, die Ewigkeit eines unbeschreiblichen Glücks.
Wie immer segne ich Sie und grüße von Herzen!