Mai 2012

Liebe Leser,

„Brüder, vor der Sünde der Menschen schreckt nicht zurück! Liebt den Menschen auch in seiner Sünde, denn das ist das Ebenbild der Liebe Gottes, das Höchste der Liebe. Liebt die ganze Schöpfung Gottes, das ganze All, wie jedes Sandkörnchen. Liebt jedes Blättchen und jeden Strahl Gottes. Liebt die Tiere, liebt jedes Gewächs und jedes Ding. Wenn du jedes Ding liebst, dann wird sich dir in den Dingen das Geheimnis Gottes offenbaren. Ist es dir offenbar geworden, so wirst du jeden Tag mehr und mehr die Wahrheit erkennen. Und schließlich wirst du die ganze Welt in allumfassender Liebe umspannnen."

So eindringlich zu lieben fordert der große russische Schriftsteller und Gottsucher Fjodor Dostojewski. Es ist nichts anderes als die Konsequenz aus der österlichen Wirklichkeit. Wer das Exultet der Osternacht vernommen hat, kann gar nicht mehr wie früher weiterleben: "….o unfassbare Liebe des Vaters! Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin! O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden." Die Liebe des Erlösers überwältigt jede Sündhaftigkeit. Das Staunen und die Gewissheit erlöst zu sein, macht aus jedem Christen einen Missionar des liebenden Herrn.
So gehen wir der Vollendung der österlichen Festzeit entgegen, dem hohen Pfingsttag. An diesem Tag gab es einst und gibt es auch heute kein Halten, kein Zögern mehr, der Welt das Werk des Heiligen Geistes zu bezeugen: die Kirche! Kurz und für alle Erdenzeit gültig heißt das: Extra ecclesiam nulla salus - außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.

Das rechte Bild der Kirche ergibt sich nur durch das österliche Fenster. Sie ist die Frucht des Auferstandenen. Dieser Kirche gilt der Ruf des Herrn jeden Tag: Fürchtet euch nicht! In ihr wird der sündhafte Mensch immer wieder geheilt durch die Sakramente. In ihnen wirkt der Heilige Geist, der den Feuerfunken des Martyriums – des unerschrockenen Zeugnisgebens – entzündet.
Pfingsten ist der 50. Tag nach Ostern, Tag der Vollendung, "Geburtstag" der Kirche,
Tag des Neubeginns. Gott hält dieser Kirche seine unverbrüchliche Treue.
Es ist gut, wenn wir daher wieder bewusster den Taufbund verlebendigen.
Das geschieht, wenn sich unser Bemühen um die Erfüllung der Gebote Gottes sichtbar werden, z.B. die sonntägliche Feier der Heiligen Messe.

Der Herr erwecke in unserer Pfarrfamilie wieder neu die Liebe zu ihm!
Das erbittet mit herzlichen Segensgrüßen