Dezember 2009 | Jänner 2010

Liebe Leser, geschätzte Pfarrangehörige,

in einem der Hochgebete (so nennt man die Gebetssequenz in der Messfeier, deren Höhepunkt die hl. Wandlung ist) wird die Bitte ausgesprochen, die „Zeichen der Zeit“ erkennen zu dürfen. Mir scheint, es ist eine wirklich wichtige Bitte. Da ja der Jahreswechsel zwischen Dezember und Jänner vollzogen wird und die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr oft „zwischen der Jahren“ genannt wird, möchte ich Sie einladen, das kommende und unbekannte 2010 nicht durch heidnische und unchristliche (Miss)Bräuche zu beginnen, sondern bewusst diese Bitte über ein weiteres „Jahr des Herrn“ zu schreiben.
Mir scheint, dass so ein „Zeichen der Zeit“ erst kürzlich im vergangenen November erkennbar gewesen ist. Man entschied da in Straßburg, dass Kreuze in italienischen Klassenzimmern nichts zu suchen hätten. Ein immer wiederkehrendes Phänomen: Zum letzten Mal wurde dieser Versuch durch die nationalsozialistische Diktatur unternommen, dieses für sie verhasste Symbol der Erlösung aus den Schulen zu verbannen. Dank dem Mut christlicher Bürger einer bayerischen Stadt scheiterte damals diese Aktion.
Das Kreuz ist das christliche Zeichen schlechthin. Es wächst ja unmittelbar aus der Krippe heraus. Die Geburt Jesu geschah, um die sühnende Liebe am Schandpfahl zu ermöglichen. Wir haben kein Recht, den Erlösungsplan Gottes zu kritisieren. Alljährlich ziehen unsere Sternsinger von Haus zu Haus und zeichnen das Kreuz an die Türen unserer Häuser. Ein wahres Denk-mal, unser Kreuz! So mancher Zeitgenosse hat das Denken aber aufgegeben. Gedankenlos gehen die Meisten an den vielen Kreuzen an Kirchen, Straßen und Häusern
vorbei. Ein Zeichen der Zeit.
Im Roman „Die Herrgottsschanze“ von Wilhelm Hünermann wird das Verhalten
verschiedenen Menschen in der französischen Revolution beschrieben. Ich habe den Mesner einer Dorfpfarre nicht vergessen, der vom Glauben abfiel und ein großes Kreuz am Dorfrand mit der Axt umschlug. Tragischerweise stand der Betrunkene beim Fallen des Kreuzes so,
dass er dabei erschlagen wurde..
Könnte nicht das Jahr 2010 eines werden, das uns das Kreuz als anbetungswürdiges, geliebtes und kostbares An–denken neuerlich bewusst macht? Gott schenke Ihnen den Mut dazu.
So zeichne ich über Sie alle dieses einzigartige Symbol der tiefsten Liebe Gottes:

20 C + M + B 10

CHRISTUS SEGNE IHR HAUS UND IHRE WOHNSTATT AUCH 2010!

Herzlichst,