Oktober 2009

Der Heimgang (Transitus) unseres seligen Vaters Paul vom Kreuz am 18. Oktober des Jahres 1775:
„Kurz darauf gegen die Stunde der Vesper wurde er von einem starken unerwarteten Froste überfallen, der der Bote des Todes war. Er ließ sich alsdann auf die linke Seite wenden mit dem Gesichte zum großen Kreuze gerichtet, das auf der entgegengesetzten Wand hing und bat, man möchte ihm sogleich P. Giovanni Maria zum Beistand kommen lassen. Der gute Pater nahm alsdann das Kruzifix in die Hand und sagte: Hier stehen meine Hoffnungen auf das Leiden Jesu Christi und auf die Schmerzen der seligsten Jungfrau. Er hatte schon die Religiosen gebeten, dass wenn seine letzten Augenblicke kämen, sie ihn auf die Erde oder wenigstens auf Stroh legten und um ihn den heiligen Habit und einen Strick um den Hals, um in der Kleidung eines Büßers zu sterben. Ihm versagte die Stimme, aber sein Geist und sein Gedächtnis war immer frei, und man merkte den Trost, den ihm die frommen Gedanken und Gefühle, die man ihm einflößte, machten, und für den Mann Gottes war diese Hoffnung sehr süß, womit er zur Buße unzählige Sünder angetrieben hatte. Als der Rektor des Hauses, welcher die für die Aussegnung der Seele vorgeschriebenen Gebete las, und zum Leiden Christi nach dem heiligen Johannes kam, so merkte man, dass der Sterbende diese Lesung sehr liebe, darum trat er ihm näher, dass er sie mehr hörte. Sein Beichtvater erteilte ihm von neuem die sakramentale Lossprechung und einer von den Konsultoren, der besonders vom Papst abgeordnet war, gab ihm den Segen im Augenblick des Todes, der von dem Segen des Rosenkranzes und der Lieder begleitet war, damit die Seele, mit solchen Schätzen bereichert, noch schöner und herrlicher vor der Majestät Gottes erscheine.
Daher glaubte man, dass er sich damals der seligsten Anschauung erfreute. Nachher wußte man, was derselbe P. Paul nach seinem Tode einer Person von einem heiligen Leben offenbarte; dass, als er dieses Zeichen machte, Jesus, Maria, St. Paul, St. Lukas, St. Petrus Alcantara, seinen Bruder Joh. Baptist und andere Verstorbene von der Kongregation, mit vielen von ihm bekehrten und geretteten Seelen anwesend waren, die zu seiner Hilfe kamen und um ihn zu seinem Siege zu begleiten. Der Bischof (Thomas) sagte: P. Paul möge sich im Himmel an die arme Kongregation, wofür er so viel ausgestanden, und an uns alle seine armen Söhne erinnern. Der Sterbende machte es durch Zeichen kenntlich, aß es ihm am Herzen liege. Hierauf schlossen sich in der Tat die Augen, welche immer die Erde als den Ort der Verbannung ansahen, und nach einer Viertelstunde sah er sich im Hafen der ewigen Sicherheit, im Herrn in solcher Ruhe und Gelassenheit entschlafend, dass man an ihm keine Bewegung sah. Er starb in Buße und Beschwerden vollendet am Mittwoche, einundachtzig Jahre alt, zwischen drei und sechs Uhr am 18. Oktober 1775.

gekürzte Wiedergabe aus „Das Leben des ehrwürdigen Dieners Gottes Paul vom Kreuz“, Regensburg 1846


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