Juli/August 2009

Liebe Leser, liebe Mitchristen,

mitten hinein in diese kommenden Sommertage, die beginnende Ferien- und Urlaubszeit scheinen diese Zeilen, die ich da geschrieben habe, schwer zu passen. Jeder erwartet sich mit mehr oder weniger Recht eine Erholung an einem schönen Ort, mehr oder weniger für den Leib und auch manchmal für die Seele. Wirklich jeder?
Was ist mit denen, die nicht in den Katalogen der Wellness- und der Spaßgesellschaft vorkommen?

Anfangs Juni verstarb die Mutter eines priesterlichen Freundes nach jahrzehntelanger schwerer Krankheit. Er bat mich, die Predigt für sie zu halten.
Wie lässt sich ein zu Ende gegangenes Leben, das so viel Schmerz und Leid erfahren musste, in dankbare, frohe Erinnerung führen bzw. behalten?
Im Schlussgebet der lauretanischen Litanei (GL 769) finden wir die merkwürdige Formulierung: „Nimm von uns die Traurigkeit dieser Zeit …“.
Was ist das, die Traurigkeit dieser Zeit? Wer kann sich darunter etwas vorstellen?
Die Kirche meint damit jene für alle Menschen gültige Situation der „irdischen Verbannung“, solange wir nicht endgültig daheim sind. Wiederum in einem marianischem Gebet nennen wir uns die „elenden Kinder Evas“, was dasselbe meint.

Bei Schwerstkranken und Leidenen begegnen wir besonders diesem traurigen Schicksal, das nicht aus menschlicher Anstrengung gelöst werden kann.
Und trotzdem ist es erfüllbar mit größtem Trost, mit erlebbarer Hoffnung.
Gott – so heißt es – lässt keine Prüfung zu, die über die Kraft eines Einzelnen ginge.
So sehr uns allen ein Glücklichsein in diesem Leben als lohnendes Ziel erscheint, so sehr wäre es ein Verschweigen der Wahrheit, einzig im irdischen Dasein Erfolg und Sinn zu suchen.
Es steht dieser Traurigkeit unserer Zeit die schreckliche Trostlosigkeit einer Ewigkeit gegenüber, die unbeschreiblich ist. Menschen, die beharrlich das Wirken Gottes leugnen, die aufrufen zu einem bequemen und lustigem Leben, weil es doch gar keinen Gott gibt, gläubige Menschen verhöhnen und die Kirche Jesu verfolgen, gehen mit Sicherheit diesem Ende entgegen.

Ich wünsche Ihnen allen daher die Erfahrung der Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes in seinen Ebenbildern – unseresgleichen als Pilger dieser Erdenzeit.

Es grüßt und segnet Sie …