März 2008

Liebe Geschwister im Herrn,

wer aus der jüngeren Generation kennt noch die Namen Getsemani oder Golgotha? Hand aufs Herz, auch viele ältere Menschen wissen nichts mehr anzufangen mit diesen Begriffen. Beide Wörter entstammen der hebräischen Sprache. Getsemani bedeutet Ölpresse und meint den Garten der Ölivenbäume, in dem Jesus die letzte Nacht vor seiner Kreuzigung begonnen hat, wo er von furchtbarer Todesangst überfallen wurde, wo er darum gebetet hat, dass ihm diese furchtbare Qual erspart bleiben möge, wo er gefangen genommen wurde. Golgota wiederum bedeutet „Schädel“, weil der Hinrichtungshügel vor der Stadt Jerusalem die Form eines Schädels hatte.
Dort fand die Kreuzigung statt, dort starb Jesus nach drei Stunden entsetzlicher körperlicher Peinigung am Kreuz.
Es sind historische Orte, die auch heute von unzähligen Pilgern und Touristen des Hl. Landes besucht werden. Es sind aber auch Stätten, die den geistlichen Besuch jedes Christen fordern. Im An-denken des Christentums sind Getsemani und Golgotha Schwerpunkte des spirituellen Lebens.
Es ist klar. Diese Plätze stehen nicht in den bunten Urlaubskatalogen. Es sind auch keine Zentren der Verspaßung und der Events, ohne die es heute scheinbar nicht mehr geht. Sind es vielleicht Orte der Besinnung, der Sinngebung menschlicher Qual und menschlichen Leidens?
Ja, ganz sicher.
Kein Mensch, auch kein Christ geht gern zu solchen Orten, wo gelitten, gequält und ermordet wurde.
Aber es ist nun mal so, keinem bleibt erspart, was Jesus im Ölgarten erleben musste und auf Golgota erfahren hat: die Einsamkeit in Angst und voraussehbarer Schmach sowie die Annahme des Todes.
Der Herr wurde auf sein Gebet im Garten hin gestärkt und konnte seinen Kreuzweg gehen bis zu seinem letzten Wort: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“!
Es gibt keine Hintertüre in diese Hände des erbarmenden Gottes. Keinem Christen bleibt es erspart, Getsemani in seinem Leben zu besuchen und diese Erfahrung zu machen. Keinem Christen wird eine andere Gasse gezeigt zur Erlösung als jene über den Hügel Golgotha.
So mag uns unser Heiland hineinführen in die Karwoche und hinübergeleiten über die starke Brücke, das Kreuz, damit ein wahres, echtes und wirksames Osterfest gefeiert werden kann! Ich wünsche Ihnen das Ostern, das Christus der Auferstandene denen schenkt, die auch seinen Weg des Spottes und der Entäußerung nicht scheuen.
Von ganzem Herzen segnet und grüßt Sie …