November 2007

Liebe Geschwister im Herrn,

auf der Uhr im Refektorium eines Franziskanerklosters in Tirol steht zu lesen: „hora certa sed ignota“, was bedeutet „die Stunde ist sicher aber unbekannt“.
Wer den Friedhof in Klamm verlässt, kann über dem Torbogen den kurzen Satz sehen: „Cras tibi“, morgen (gilt es) dir!
Diese lateinischen Inschriften weisen auf unser Ende hin. Wieder stehen die Tage vor der Türe, die dem Gedächtnis der Toten gewidmet sind. Der November lässt die Menschen zu den Gräbern pilgern. Dort wird uns bewusst, dass unser Leib eines Tages zum Staub zurückkehrt.
Dieses Bewusstsein ist ein sehr wichtiges. Erst kürzlich wurde das Evangelium verlesen, in dem Jesus das Gleichnis vom Reichen erzählt, der im Überfluss leben kann und nicht weiß, wohin er mit seinem Reichtum soll. Er beschließt noch größere Scheunen zu bauen, um dann - wie er zu sich selbst sagt - auszuruhen, zu essen und zu trinken und es sich gemütlich zu machen. Doch da spricht Gott zu ihm das endgültige Wort: „Noch in dieser Nacht will ich deine Seele von dir fordern. Du Narr …“
Mir kommt vor, viel zu oft sprechen wir nur zu uns selbst. Der wichtige Gesprächspartner namens Gott wird ignoriert, ausgeklammert, vergessen.
Und dann geht alles plötzlich so schnell. Das Leben vergeht wie im Flug. So sagt man doch.
Cras tibi! Morgen ist es deine Seele, die Gott zurückfordert. Es ist also immer an der Zeit, etwas zu tun für das Leben nach dem Tode.
Die Kirche ist in drei Bereiche eingeteilt: Die triumphierende. Das ist die Kirche des Himmels, der Erlösten, der für immer Heimgekehrten. Die streitende. So wird die Kirche auf Erden genannt, die sich im Kampfe gegen das Böse weiß. Und schließlich die leidende. Damit meint man die Armen Seelen, die Verstorbenen, die ihr irdisches Leben zu wenig gottbezogen, fern von christlichen Geboten geführt haben.
Es ist gut, wenn wir wieder darauf aufmerksam gemacht werden. Kein Mensch hat weniger oder mehr Zeit als ein anderer. Jeder bekommt vom Herrgott täglich 24 Stunden, die er gut oder schlecht nützen kann. So mag Tag für Tag auch Raum und Platz sein für das Gebet, auch für die Verstorbenen. Am Abend soll die Bitte für die Toten gesprochen werden: O Herr gib ihnen die ewigen Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr, lass sie ruhen in deinem Frieden.
Damit stellt sich auch ein gutes Gewissen ein; recht zu handeln und in guter Verbindung mit Jenen zu sein, die uns vorausgegangen sind.
Es grüßt und segnet Sie herzlich …