Mai 2007

Liebe Geschwister im Herrn,

schon schauen viele sorgenerfüllt gen Himmel. Von dort sollte es nämlich schon längst einmal geregnet haben. Es ist staubtrocken. Das Frühjahr dürstet im wahrsten Sinn des Wortes; alles will blühen und wachsen.
Die Wasserspiegel sinken bereits drastisch, Brunnen in manchen Regionen trocknen aus. Ein Leben ohne Wasser ist nicht möglich.
Viele geben sich noch mit dem Spruch zufrieden: Nur gut, dass wir das Wetter nicht machen können.... und überlegen nicht, daß die menschlichen Eingriffe in die Natur, die industrielle Schadstoffproduktion etc. schon längst das Wetter „machbar“ werden ließen.
In diesen Tagen fiel mir ein Zeitungsausschnitt in die Hände. Er stammt vom 4. Juni 1999. Hier wird vom Fronleichnamstag und dem Stadtumgang in Wien berichtet. Kardinal Schönborn sprach damals bemerkenswerte Worte, die uns zu denken geben müssen:
Die Wege des Lebens seien nirgendwo besser enthalten, als in der Botschaft Jesu! wandte sich der Erzbischof von Wien beim „Stadtumgang“ an die Gläubigen. Gleichzeitig warnte er vor den Auswirkungen des „Absinkens des religiösen Grundwasserspiegels“.
„Wenn“ , so der Kardinal, „das religiöse Grundwissen verloren geht, ist auch das Miteinander in Staat und Gesellschaft gefährdet.“
Der Zeitgeist unserer Tage drängt allzu stark in die materielle Dimension. So scheint mir der Vergleich des Oberhirten mit dem Grundwasserspiegel sehr hilfreich, nachzudenken, wie stabil, wie hoch unser religiöses Grundwissen ist.
Hat nicht vor drei Wochen Ostern begonnen? Hat dieses Fest nicht mit der Erstarkung und der Verlebendigung des persönlichen Glaubens zu tun? Am 2. Sonntag der Osterzeit hat es ja geheißen: Durch die jährliche Osterfeier erneuerst du den Glauben deines Volkes.
Trage ich etwas dazu bei, daß mein religiöser Grundwasserspiegel steigt bzw nicht gefährdet wird? Wenn wir Gott um den Regen für die Seele bitten, wird er sich nicht gehörlos zeigen. Allerdings bedarf es auch einer steten religiösen Praxis. Ich lade hiermit viele Menschen ein, wieder ihr religiöses Leben zu aktivieren, das vielleicht schon sehr schwach geworden ist.
Gerade jetzt im Mai ist Gelegenheit genug, etwa durch die Teilnahme an den Maiandachten und den Festen der österlichen Zeit.
Unser neuer Pfarrgemeinderat ist übrigens besten Willens, dazu sein für Sie und eine Verlebendigung in unserer Pfarrfamilie.
Es grüßt und segnet Sie ganz herzlich…