März 2007

Liebe Geschwister im Herrn,

das Gebet, das wohl jeder Christ auf dieser Erde auswendig kann, ist das Vaterunser. Es heißt schlichtweg Gebet des Herrn, weil Jesus so seine Jünger zu beten gelehrt hat. Und es ist in seinen Bitten, das es enthält klar und verständlich — bis auf eine vielleicht: „und führe uns nicht in Versuchung“.
Jedenfalls weiß ich von Vielen, dass hier gerätselt wird. Was soll das heißen? Liegt es in der Absicht Gottes, Menschen in Versuchung zu locken?

Das wohl kaum. Von Anbeginn besaß der Mensch das größte Geschenk, das einem Geschöpf zu teil werden kann, die Freiheit. Die wurde ihm auch nicht genommen, als er durch die Versuchung des Bösen unterlag.
Seit dem ist die Versuchung und deren Bewältigung Teil der Menschheitsgeschichte. In der Fastenzeit wird uns besonders bewusst gemacht, dass Jesus in allem versucht worden ist wie eben ein Mensch versucht werden kann, aber nicht gesündigt hat.
Die größte Versuchung besteht nach wie vor darin, sich von Gott abzuwenden. Wer ihr erliegt, ist vom Leib und der Seele her anfälliger für das Schlechte und Schädliche.
Jesu Verhalten in der Versuchung war immer das klare und deutliche Ja zu Gott. Sein ganzes Leben kannte kein Verbergen, kein Verstecken seiner Gedanken, Worte und Werke vor Gott. Hier liegt das Geheimnis des Friedens, des glücklichen und heilen Lebens: sich Gott gegenüber in allem zu öffnen und ihn hereinzubitten in das tägliche Leben.

In diesem Pfarrbrief sind Impulse zu finden unter der Überschrift „Einfach beten“. So ist es auch gemeint, e i n f a c h und unkompliziert Gott anzusprechen, ihm scheinbar Unwichtiges genauso zu sagen wie ihm unsere sehnsüchtigen, wichtigen und dringenden Überlegungen anzuvertrauen. Wie wäre es zum Beispiel, ganz e i n f a c h einmal zur Kreuzwegandacht zu gehen?
Ich meine, wir müssen unser Leben ständig neu ordnen und überprüfen.
Die Vaterunserbitte wird übrigens verständlich, wenn da Gott dabei sein darf.
Dann können wir sagen: und führe uns i n der Versuchung.

Jetzt ist die Zeit dafür. Die 40-tägige Fastenzeit wird, wenn sie ehrlich und echt begangen wird zur reinigenden und heilenden Kraftphase.
Eine Pfarrfamilie lebt aus ihrer gemeinsamen Gebetserfahrung, aus dem Miteinander in allen Versuchungen. Nichts wünsche ich mehr als dieses Bewusstsein zu mehren und zu fördern. Gott schenke uns dazu sein treues Führen und Geleit.

Es grüßt und segnet Sie…