Feber 2007

Liebe Geschwister im Herrn,

rasch schreitet das Jahr voran. Waren wir vor einem Monat noch in festlicher Weihnachtsstimmung, nimmt uns in Bälde schon die Vorbereitung auf Ostern in Anspruch.
Ja, das Rad der Zeit ist nicht zu stoppen. Viele von uns erleben das eher negativ. Man kommt nicht heraus aus dieser Unterworfenheit durch das Temporäre. Tempo ist der scheinbar nicht loszuwerdende Begleiter durch das Leben. Die Jagd nach Glück, Erfolg, Wohlhabenheit und andere Begehrlichkeiten bringen Viele außer Atem. Keiner will „Verlierer“ sein.
In der Christmette meinte ich in der Predigt: Die Zukunft gehört dem demütigen Menschen. Das scheint die erlösende und beruhigende Lehre der Krippe zu sein.
Hat damit aber diese Botschaft nicht auch schon verloren? Stuft unsere Leistungsgesellschaft nicht die Demut an unterste Stelle? Bedeutet nicht Demut, gebeugt und dienerisch sich dem Willen eines Stärkeren ohne wenn und aber zu unterwerfen?
Eben das gerade nicht!! Wenn einer ein Rückrat hat, dann der demütige Mensch. Er steht ja gegen alle Meinungsströme und Zeitgeister, die unkritsche Geister mitreißen oder profillos machen.
Das Evangelium sieht im Demütigen zugleich den Erfolgreichen bzw. den Menschen, der Frucht bringt. Das ausschlaggebende Beispiel ist Jesus selbst.
Angefangen von der Taufe im Jordan, wo er sich mitten in die Reihe der Sünder stellt — was er nicht notwendig gehabt hätte — hin zur Hochzeit von Kana, bei der er ohne Beifall heischend den Wein, ohne den nun einmal eine Festesfreude unmöglich ist, in Überfülle schenkt.
Demut bedeutet, in bedingungsloser Liebe zu leben. Das fällt uns schwer, sehr schwer. Irgendwann verlangt es uns nach Zeichen der Anerkennung und der Belohnung. Und dennoch, der Demütige ist das Zeichen der Zukunft. Vielleicht begreifen wir es besser, wenn wir das Gegenteil ins Visier nehmen, den vom Stolz Besessenen. Ihm ist jede hilfreiche Hand eines Anderen zuwider. Er will nicht angewiesen sein auf fremdes Leid oder fremde Freude.
Zeilen, die mir tief ins Herz gegangen sind und nach denen ich versuche zu leben, möchte ich hier anfügen:
Schenk ein Stück mir deiner Last, daß die meine leichter werde…
Wer das fremde Kreuz umfasst, mindert eignen Leids Beschwerde.
Schenk ein Stück mir deiner Freude, meine lass an deiner reifen…
Nur wem fremde Seligkeit Glück ist, der kann Gott begreifen.
Damit mögen Sie Geschmack und Mut finden zur christlichen Demut.
Es grüßt und segnet Sie…