Oktober 2006

Liebe Geschwister im Herrn,

Das Erntedankfest, das jetzt rundum in allen Pfarren gefeiert wird, kommt im liturgischen Kalender eigentlich gar nicht vor. Es wird auch überall an einem anderen Sonntag begangen. Dieses Fest führt mancherorts zu einer Verwandlung des Kirchenraumes in ein Lagerhaus oder in einen Gemüseladen. Berge von Feldfrüchten und Obst werden um den Altar aufgeschichtet, Erntekronen in überdimensionalen Größen geflochten. Man ist stolz auf diesen Reichtum und gibt sich zufrieden mit der Pracht des Dargebotenen.
Natürlich hat das Fest biblische Wurzeln. Denken wir an den ersten Dankenden, den Sohn Adams und Evas, Abel. Der König von Salem, Melchisedek opferte Brot und Wein. Schließlich dankte das Volk Israel am Pfingsttag Jahwe für die Ernte.
Letztlich ist es der Mensch, der sich als Empfangender aber auch als Erzeuger vor Gott stellt und dankt für diese verliehenen Eigenschaften.
Dieser Erntedank soll also den Mensch und seine Verantwortung in seiner Mitte haben.
Da heißt es im Psalm 103: „Herr, von den Früchten deiner Schöpfung werden alle satt. Du schenkst dem Menschen Brot von der Erde und Wein, der sein Herz erfreut.“
Wer diesen Vers betet, muss nachdenklich bzw. traurig werden. Denn es ist ein Skandal, dass die reichen Erträge unserer Erde einem großen Teil der Menschen vorenthalten sind. Es ist empörend, wenn z.B. eine reiche Orangenernte, Butterberge etc. vernichtet werden, damit der Preis nicht fällt.
Erntedank ist Tag des Engagements. Gott fordert von uns zu teilen. Seine Schöpfung ist reich genug, alle Menschen zu ernähren. Ein anderer Text aus dem Jakobusbrief ist auf diesen Seiten zu lesen, der uns eindringlich warnt vor einem Reichtum, der zu nichts nutze ist.
Ein ehrlicher Dank, ein tiefes Bewusstsein, woher wir kommen und wem wir verantwortlich sind, macht allein das Leben sinnvoll.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Herbst und grüße Sie als…