Juli/August 2006

Liebe Geschwister im Herrn,

in einer der vergangenen Sonntagspredigten habe ich es schon erwähnt: Unser P. Peter, langjähriger Oberer des Klosters Maria Schutz und P. Andreas, ein Franziskaner, ehemaliger Stadtpfarrer von Frauenkirchen sowie mein Mitstudent sind in diesen Tagen gestorben. Beides Priester, die mir in meinem Leben nahe standen. Beides Priester, die an schrecklichen Krankheiten irdisch „zugrunde“ gehen mussten.
Beides Priester, die ein herrliches Beispiel christlichen Sterbens bezeugt haben.:
P. Peter hatte bis zu letzt die Kraft und die Gnade seine Mitbrüdern und vielen Freunden Zuversicht und Mut zu vermitteln. Er hinterließ ein geistiges Vermächtnis, das geprägt ist vom „Danke“. Das ganze Leben, das ihm gegeben war, erkannte er als einziges Geschenk. Die Schenkenden, seine Eltern und seine Familie, seine Lehrer und Mitbrüder überhäufte er mit einem innigen „Vergelte es euch Gott“. So ist er kurz vor dem Höhepunkt seines Lebens - dem Hineingehen in die ewige Seligkeit- zum „eucharistischen Menschen geworden“. Er durfte erfahren, wie notwendig es in diesem Leben ist, Dank auszusprechen und damit Segen zu übermitteln.
Oben habe ich bewusst das Wort „zugrunde gehen“ verwendet. In den Ohren Vieler klingt es nach Vernichtung und Sinnlosigkeit. Wirklich aber meint es, in den wahren Grund alles Lebens eindringen zu dürfen, voll vereint zu werden mit dem, der uns gewollt und geschaffen hat für das ewige, unvergängliche Leben mit ihm.
Auch P. Andreas, ein echter Sohn seines Vaters Franz von Assisi, erfuhr die Gnade, sein „Hinscheiden“ zum Geschenk für uns Hinterbliebenen werden zu lassen. Sein franziskanisches Leben war geprägt von Heiterkeit, Frohsinn und tiefer Liebe zu allen Geschöpfen.
Beide Priester starben in der „Vollglut“ des Jahres, zu Beginn des Sommers.
Es ist jene Jahreszeit, in der das „Absterben“ widersinnig scheint. Und doch ist es für uns ein Zeichen dafür, dass Gott ein reifes, gesegnetes Leben zur rechten Zeit für immer als sein Eigen zurückholt. Wir sind dieser Erde nur geliehen. Herrlich, wie Gott die Seinen beglückt und mit dem beschenken wird, was keine Auge gesehen, kein Ohr gehört und keines Menschen Herz jemals empfunden hat. Das, was ein Sommer für uns alle bringen mag, nämlich Ruhe und Erholung, wird im Heimgang zu Gott wahr.
Ich wünsche Ihnen deshalb in diesen Tagen viel innere Einkehr und Hinwendung zu unserem Schöpfer! Herzlichst grüßt und segnet Sie…