Juni 2006

Liebe Geschwister im Herrn,

angesichts des nahenden Fronleichnamsfestes und der vergangenen Erstkommunionfeier stellt sich erneut die so wichtige Frage, wie in unserer Pfarre die eucharistische Frömmigkeit gepflegt wird. Wir können sie nicht pauschal beantworten. Keine Frage ist so persönlich ausgerichtet wie die nach dem Umgang mit dem kostbarsten Gut, das wir Christen besitzen. Und doch gehört dieses Sakrament der ganzen Kirche.
Sie bekennt ja die Gegenwart des ganzen Christus in diesen Gestalten von Brot und Wein. Zuerst ist uns diese Speise geschenkt zur Vergebung der Sünden. Damit diese Vergebung erfolgen kann, bedarf es des festen Willens zur Umkehr. „Kommunizieren“ bedeutet also, teilzunehmen an den Regeln und Geboten der Kirche. Jeder der dieses Sakrament empfängt, drückt dadurch aus, er steht zu den Bedingungen, die eine Communio, eine Gemeinschaft ermöglicht.
Mir fällt auf, dass hier eine - nennen wir es einmal - Verwilderung eingetreten ist. Es kommt immer wieder vor, dass Christen, die Jahr und Tag nicht die Kirche besuchen, plötzlich bei einem besonderen Anlass zur Kommunion gehen. Es ist wiederholt geschehen und geschieht, dass während der Messfeier Menschen die Kirche betreten, noch dazu vielleicht erst nach der Wandlung, um dann nach vorne zu gehen zur hl. Kommunion. Die unbedingt notwendige innerliche Bereitung ist nicht vorhanden.
Die Verunehrung des eucharistischen Sakramentes hat bereit der Apostel Paulus warnend angeprangert: „ Deshalb möge ein Mensch sich zuerst prüfen, dann möge er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken; denn ein Mensch, der isst und trinkt, ohne den Leib zu erkennen, isst und trinkt das Gericht über sich.“ (1 Ko 11,28 f)
Es wäre sehr zu empfehlen und ein Segen für unsere Pfarre, wenn die eucharistische Anbetung wieder zunehmen würde. Das bedeutete, sich einmal wieder Zeit zu nehmen, außerhalb der Gottesdienstzeiten in der (immer geöffneten) Kirche ein wenig zu verweilen, um dem gegenwärtigen Herrn die Ehre zu erweisen und Kraft zu schöpfen. Wie viele gehen gedankenlos auf ihren Spaziergängen am Gotteshaus vorbei.
Das Pfingstfest, die Geburtsstunde der Kirche, kann uns wieder diese wichtigen Gaben des Geistes schenken: Frömmigkeit, Ehrfurcht und Liebe zu Christus im Altarsakrament. Es muss aber erbeten und erbittet werden!
Dazu möchte ich Sie ermuntern und segne Sie ganz herzlich…