Mai 2006

Liebe Geschwister im auferstandenen Herrn,

am Abend des Ostersonntages wünschte mir ein Bekannter noch „im Nachhinein“ frohe Ostern. Wieder einmal war ich erstaunt und tief verwundert, warum unser Gefühl für das österliche Geheimnis so seicht ist.
40 Tage Fastenzeit sind gerade vorüber; da soll es nur ein paar Stunden „Ostern“ geben? Das wichtigste und höchste Fest der Christen; bei uns zusammengeschrumpft auf ein besseres Essen mit bunten Eiern?
Es ist eine nüchterne Tatsache: Die meisten Angehörigen unsere Pfarre haben sich erst gar nicht eingebunden in die Vorbereitung auf Ostern und waren auch nicht da, als die Auferstehung verkündigt wurde. Die österlichen Sakramente wurden weithin ignoriert, auch wenn es nach wie vor verpflichtendes Gebot ist, wenigstens einmal im Jahr das Bußsakrament und die Hl. Kommunion zu empfangen.
Ein christliches Leben wird immer mehr von Vielen aufgegeben. Wo kommt da echter Osterjubel auf? Mit diesem Auferstandenen will ich fragen: „Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben?“ (Lk 24, 25).
Es tut sehr weh, wenn man zusehen muss, wie das Haus Gottes gemieden wird.
Während der Anbetungszeit am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag erwarten den vereinzelten Besucher leere Bänke. Wird hier nicht erneut „der Stein verworfen“, den Gott doch zum Eckstein gemacht hat.
Besonders schmerzlich ist es aber, wenn nach wiederholter Einladung und steter Erklärung seit Anfang der Vorbereitung auf die Erstkommunion (seit 7 Wochen) mit Ausnahme des Palmsonntags nur zwei Kinder von sieben regelmäßig an den Sonntagsgottesdiensten teilnahmen. Kann man hier wirklich ein Fest der Erstspeisung durch den Herrn feiern?
Wie immer auch, die Wahrheit des Auferstandenen kann dadurch nicht beseitigt werden. Keine noch so große Gleichgüligkeit kann die Kraft und die Barmherzigkeit Gottes untergraben oder sie mindern. Der Schaden, der unweigerlich entsteht, trifft ja den oder die, welche die Gemeinschaft - Communio - verweigern und zu dürren Reben werden.
Trotzdem rufe ich die Bitte der Emmausjünger erneut und flehend aus über uns alle: „Herr bleibe bei uns, denn es wird Abend und der Tag hat sich geneigt!“ Kehre ein in unsere Häuser, in denen du willkommen geheißen wirst. Öffne unsere blinden Herzen und schenke uns brennende Herzen.
Ich wünsche allen den österlichen Frieden, die sich daheim wissen in der Familie Jesu, des einzigen Erlösers und Herrn der Menschen.Es grüßt und segnet Sie…