März 2006

Liebe Geschwister im Herrn,

jener älteste und heiligste Wallfahrtsort der Christenheit in Jerusalem wird von uns Grabeskirche genannt. Nicht so aber von den Gläubigen der Ostkirche, die „Anastasis“ sagen: Auferstehung(skirche). Damit wird eine wichtige Aussage getroffen, ja die wichtigste Bestimmung für die 40tägige Fastenzeit gemacht! Unser Ziel, zu dem wir uns wieder aufmachen, ist nicht ein Grab, sondern die Anastasis.
So wird auch in dieser vorösterlichen Bußzeit jeder Sonntag vom Fasten ausgenommen; Grund dafür, an einem Mittwoch die Fastenzeit zu beginnen, damit die vierzig Tage in ihrer Anzahl erfüllt ist.
Die Auferstehung Jesu ist es, die uns den roten Faden der Umkehr, der Bekehrung des Herzens wieder aufnehmen lässt. Die Auferstehung Jesu ist es, die es lohnt, unser Leben wieder genauer zu untersuchen und auf den „Prüfstand“ zu stellen. Die Auferstehung Jesu ist es, die den einzigartigen Sinn menschlichen Seins begründet.

Nun ist es aber in unserer Konsum- und Leistungsgesellschaft so, daß dieser Weg zur Anastasis vollkommen ignoriert und geleugnet wird. Bestenfalls wird Fitness und Wellness geduldet um mithalten zu können im Wahn des Irrglaubens, sich selber leben zu müssen: „Wir sind wie ein Mensch, der Auto fährt und die schwache Ahnung hat, daß er den Weg verloren hat. Statt anzuhalten und seine Situation zu orten, fährt er nur noch schneller. Wir fahren anscheinend nirgendwohin mit immer schnellerer Geschwindigkeit“. (Erich Fromm)

Der Weg zur Anastasis ist der Weg des immer mehr Langsamwerdens. Wer ihn geht, endeckt seine reichhaltige Fülle der eigenen Fähigkeiten. Ezard Schaper läßt seinen kleinen König aufbrechen, um den Erlöser in Bethlehem zu beschenken und anzubeten. Er findet ihn erst nach einem langen, mit Opfern und Werken der Nächstenliebe erfüllten Weg auf Golgotha. (Der vierte König)
Wollen wir uns diesen Weg antun? Wir haben keine ander Wahl, ohne zur Karrikatur verkommen zu wollen.

„Fällt ‘s euch zu schwer? I c h geh voran, i c h steh euch an der Seite. I c h kämpfe selbst, i c h brech die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still kann stehn, sieht er voran den Feldherrn gehn. (GL. 616, 3. Strophe)

Eine gnadenhafte und ehrliche Fastenzeit wünscht Ihnen…