November 2005

Liebe Geschwister im Herrn,

seit eh und je hat Allerheiligen etwas mit Trostlosigkeit zu tun. Zumindest das äußere Umfeld, der Nebel, das nasskalte Wetter, die kahlen Bäume bestärken viele Menschen in diesem unangenehmen Gefühl. Dazu kommt noch das Gedenken an den Tod, der Besuch der Friedhöfe.

Kaum andere Tage im Jahr fordern uns so heraus, innerlich ein Gegengewicht zu finden. Es drängt uns etwas, dieser Bedrohung der Freude, der Einsamkeit und Angst begegnen zu können.
Es nützt wenig, einfach „abzuhauen“. Manche, die es sich leisten können, flüchten in sonnige Gefilde. Irgendwann muss doch wieder die Rückreise angetreten werden.

Besser ist es, die wahre Botschaft dieser Tage anzunehmen. Da geht es um einen Jubel, den die Kirche anstimmt. Ein Jubel, der unzähligen Menschen gehört, die ihr Leben voll - endet haben. Sie, die Heiligen haben ihr Leben - ob kurz oder lang - so geführt, dass es wertvoll geworden ist. Ihre Lebensqualität bestand darin, das Beste zu gebrauchen, das Menschen zukommen kann: Gottes Gebote und Hilfe. In vielen, ja den meisten Heiligenviten, ist wenig von Karriere herkömmlicher Vorstellung zu finden. Eher scheinen Versagen, Not und Kümmernis ihre Lebensbegleiter gewesen zu sein. Und doch haben diese Umstände ihr Leben nicht zur Sinnlosigkeit gewendet. Wenn wir am Festtag die Präfation anstimmen, hören wir von der Schau der heiligen Stadt, unserer Heimat, dem himmlischen Jerusalem. Seltsam, gerade ein Ort, der über Jahrtausende eher für Unfrieden, Krieg und Zerstörung Zeugnis gibt, wird als Ort der Sehnsucht und der Seligkeit im Gedächtnis wach gehalten. Wieder spüren wir die hoffnungsvolle Botschaft dieser Tage: Gott wird jede Träne aus den Augen wischen. Er ist der wahre Triumphator, der Vollender allen Lebens.

Das verspricht auch die Präfation am Allerseelentag: In ihm, Christus, erstrahlt uns die Hoffnung, dass wir zur Seligkeit auferstehen. Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes, so tröstet uns doch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit. Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.
Lassen wir uns schon jetzt wandeln für diese gute Absicht Gottes!

Herzlich grüßt und segnet Sie