Oktober 2005

Liebe Geschwister im Herrn,

im Monat Oktober feiert jeder Pfarrkirche, die ihren genauen Weihetag nicht mehr kennt, ihre Kirchweihe. Unsere Pfarrkirche wurde an einem 8. September, also an Mariä Geburt konsekriert. Trotzdem gedenken auch wir am 15. Oktober dieses wichtigen Ereignisses.

Nebenstehender Text über „Zachäus“ und das Evangelium vom Pharisäer und dem Zöllner beim Gebet im Tempel haben mich angeregt, einmal wieder unser Verhalten in der Kirche - gemeint als Haus Gottes - zu überdenken.
Kein Christ kann eine Kirche betreten ohne dem Bewusstsein, Sünder zu sein und der Barmherzigkeit Gottes zu bedürfen. Damit müsste auch schon die Haltung klar sein, die wir einzunehmen haben, wenn wir die Kirchentüre öffnen.
Es ist leider zur Ausnahme geworden, dass Menschen „an - dächtig“ Kirchen betreten. Ich mag gar nicht an diverse Hochzeiten denken, bei denen man erleben kann, wie lautstark und fast johlend die Gäste da die Kirche stürmen. Es ist ihnen jeder Bezug zu Mystik fremd, zur geheimnisvollen Gegenwart des Herrn. Mystik jedoch setzt Frömmigkeit voraus. Diese zeigt sich natürlich im äußeren Gebahren. Vielfach nimmt immer mehr die Anschauung zu, man könne eine Kirche zu einem bestimmten Zweck „mieten“ und dann machen, was man will: Rent a church!

Bei Feiern, wie etwa der sonntäglichen Messe, kann man selbst bei Gläubigen beobachten, wie sie sich mit übereinandergeschlagenen Beinen auf ihrem Platz niederlassen. Das passt ganz sicher ins Kaffeehaus, lässt aber in der Kirche eine eher peinliche Situation entstehen.
Ein Zachäus machte sich unendliche Mühe, den Herrn sehen zu können. Ein Zöllner wagte es kaum, aufzublicken und sich weit nach vorne im Tempel zu trauen. Für mich sind das große Hilfen, unser persönliches „Stell - dich - ein“ im wahrsten Sinn des Wortes wieder neu zu korrigieren.
Halten Sie es nicht für zweit- und drittrangig, auf Ihre Haltung im geweihten Hause zu achten. Es ist ein Zeugnisgeben, ein sich Öffnen für die Barmherzigkeit des lebendigen Gottes.

Nicht die Kunstwerke einer Kirche bedürfen dieser Barmherzigkeit, sondern der Mensch. So mag auch das „Besichtigen“ einer Kirche fragwürdig werden, wenn nicht der Christ sichtbar vor Gott werden will.
Kirchweihe ist letztlich der Tag, der uns unsere Kostbarkeit deutlich machen will. Die Kirche symbolisiert den Ort der Rettung und Erlösung. Diesen Ort will ich immer dankbar und geziemend aufsuchen!

Herzlichst grüßt und segnet Sie