Juli/August 2005

Liebe Pfarrfamilie,

geistlich geprägte Tage liegen hinter uns. P. Alban und ich durften das silberne Priesterjubiläum feiern. P. Johannes Aichinger hat seine priesterliche Laufbahn begonnen. Bischofsvikar Helmut Nagorziansky zeigte bei seinem Heimatbesuch die Grenzenlosigkeit der Kirche. Zugleich spüren wir auch den Mangel an Geistlichen und Mutlosigkeit bei vielen Menschen, Glauben zu leben bzw. zu praktizieren.
Wo beginnt eigentlich Glaube? Sicher dort, wo der Mensch sieht und hört. Ein Kind fängt mit seinen Eltern an. An sie „glaubt“ es zunächst. Es spürt die streichelnde und hilfreiche Hand, hört die vertraute Stimme von Mutter und Vater. Das ganze Vertrauen baut auf diese Erfahrung. Und genau in dieser Phase kann dann auch der Glaube im Menschen wachsen. Wird in der Kindheit diese Grundlage nicht geschaffen, wird es später sehr schwer, Gott zu sehen und zu hören. Auch hier gilt der Spruch „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.

Es geht mir hier wieder darum, weiterzusagen, Glaube bedarf des Lernens und des Vorlebens. Priester sind vollkommen für diese Aufgabe bestellt. Sie wären aber arm, wenn ihnen dabei niemand unter die Arme griffe. Ich war innerlich tief bewegt bei der Ehrung und Gratulation anläßlich der 25jährigen Feier. Gleichzeitig wünschte ich um so sehnsüchtiger das aktive Mitarbeiten unserer jungen Familien in der Pfarre. Wir leben am Semmering auf steinigem Boden, auch was geistliches Leben anbelangt. Was wir wirklich brauchen, ist spiritueller Humus, Vorleben und Mitleben des Glaubens. Ich rufe erneut auf, die Pfarre zur Heimat werden zu lassen, daheim sein zu wollen in der Kirche. Es kann nichts Schöneres und Hilfreicheres geben als Geborgenheit in einer Zeit, die so unbarmherzig mit den Menschen umgeht.
Bei Vielen ist der Zugang zur Seele verschüttet. Innerliche Leere und Pessimismus, Ängste und Mißtrauen sind unweigerliche Folgen. Geben wir unseren Herzen wieder mehr Freiheit für Gottes zärtliche Einladung!!

Ein ganz einfacher Schritt oder Beginn in diese erlösende Richtung ist das Gebet, das tägliche. Trau Dich! Sprich einfach einmal wieder „Herr erbarme dich unser“ oder „Gott, komm mir zu Hilfe“. Das nennt man ein Stoßgebet. Es erreicht immer sein Ziel. Mache es zur Gewohnheit im Tagesverlauf.
Ein Mitbruder hat mir am Anfang meines Priesterlebens das Wort mitgegeben: „Zuerst ist man Mensch, dann Christ, dann Priester“. Daran orientiere ich mich immer noch. Werden wir also täglich Menschen, die Gott erhöhen will und nicht erniedrigen.
In tiefer Dankbarkeit und Liebe zur Menschlichkeit grüßt und segnet Sie...