März 2005

Liebe Pfarrfamilie, liebe Kurgäste,

besonders in den Tagen der Karwoche gehen meine Gedanken zurück in die Tage meiner Kindheit. Ich erinnere mich, wie ich begonnen habe, das Leiden Christi kennen zu lernen. Da hingen die großen Bilder in meiner Pfarrkirche, die eindrucksvoll zeigten, was alles am Kreuzweg geschehen war. Ein Fernsehgerät gab es keines daheim, also halfen mir diese Bilder fern sehen zu können. Und wie sie es taten! Jede Kreuzwegstation nahm mich beim Anschauen auf und riss mich mit hinein in die engen Gassen Jerusalems. Noch heute kenne ich keinen Film, kein Theater das mich tiefer fasziniert hätte als jene Szenen des Kreuzweges, die Gottesdienste der Karwoche und vor allem der Osternacht.
Ich bin mir sicher, dass damals schon der Wunsch zu wachsen begann, den Menschen das Kreuz und die Auferstehung nahe zu bringen im Priesterberuf. Jetzt, im 25. Jahr dieser Berufsausübung erkenne ich weiterhin keine Alternative dazu. Das heißt aber nicht, es wäre im Laufe der Zeit gleichermaßen zur Routine geworden. Jedes Jahr stehe ich neu vor dem Weg nach Golgotha. Jedes Jahr suche und bitte ich Menschen – Christen – mitzugehen. Jedes Jahr ist mir bange ums Herz, ob sie sich finden. Denn es ist ein großer Unterschied, Menschen zu Traditionsübungen (Palmkatzerl- und Fleischweihe) zu versammeln oder ihr Herz zu gewinnen für den Mann der Schmerzen, für den Dulder aller Bosheit, für den Überwinder des Schrecklichsten, des Todes.
Dieses Suchen nach Heils- und Heilungswilligen ist an sich heute das Leichteste, was man sich vorstellen kann. Immer stärker wird der Drang nach Wohlbefinden, Fitness, ewiger Jugend. Man findet unzählige Interessenten. Aber eben ohne den Kreuzesträger! Während Freizeitzentren und Sportveranstaltungen überlaufen sind, veröden die Kirchen. Deutlich höre ich das Wort aus dem Evangelium des 1. Fastensonntages:“ Das alles will ich dir geben, wenn du vor mir niederfällst und mich anbetest“ (Mt. 4,9).
Ganz sicher, wer sich nicht an der Spaßkultur beteiligt, wird für dumm gehalten und ausgelacht. Und es stimmt sogar. Gott hat diese Dummheit (Torheit) bevorzugt, um die eiskalte, herzlose Intelligenz des Unglaubens zu überwinden. Der Seherin von Lourdes, Bernadette, war das klar. Sie sagte schlicht und deutlich: Ich bin dumm. Eine Närrin Christi.
In meiner bayerischen Heimat beschreibt man tiefe Sympathie oft mit „das g‘fallt mir narrisch guat“. So ungefähr wünschte ich mir Menschen in ihrer Absicht, Ostern wieder neu zu feiern. Dazu gehört höchster Mut, den Gott Ihnen schenken möge.
Es grüßt und segnet Sie Ihr....