November 2004

Liebe Pfarrfamilie, liebe Freunde der Pfarre,

nichts wird im Christentum so groß geschrieben wie die NÄCHSTENLIEBE. Gefragt nach dem wichtigsten aller Gebote, fügt Jesus die Liebe zu Gott und zum Nächsten in einem Gebot zusammen.

Nicht von ungefähr werden uns gerade im November, wo sich die Natur „feindselig“ zeigt, an vielen Gedenktagen Heilige gezeigt, die die Kälte der Herzen überwunden und aus ihrer Gottesliebe Arme und Bedürftige als ihre Nächsten umsorgt haben. Sie stehen auch schon da wie Wegweiser im Kalender, hinzeigend auf das „Fest der Liebe“, wie die Ignoranten das Geburtsfest Jesu Christi genannt haben wollen. Da haben wir schon ein Grundübel, ein schweres Hindernis, echte Nächstenliebe üben zu können: Nur nicht die Dinge wirklich beim Namen nennen. Je anonymer die Not, um so unsichtbarer und stummer bleibt sie.
Unserer Gesellschaft wird oft das Wort „Spaß“ vorangefügt. Eine Spaßgesellschaft will Vergnügen und kann nichts anfangen mit caritativer Lebenshaltung. Die Wurzel ist der kalte Egoismus, das Recht auf alles und jedes. Die Börse und der Kommerz stehen als unbarmherzige Regenten voran.

Wie anders stehen doch ein Martin von Tours und eine Elisabeth von Thüringen da gegenüber. Ihre Lebensgeschichte zeigen ein Hineindenken, ein In-sein Wollen für den Nächsten. Von Spaß ist da keine Spur, aber von tiefer und unendlicher Freude am Leben. Wäre es nicht ein Impuls, in diesen trüben Novembertagen einmal deren Geschichte nachzulesen und noch besser, sie als Vorbild für das eigene Leben zu nehmen?
Ich will auch den heiligen Leopold einfügen, dessen Hochfest wir Monatsmitte begehen. Als Landespatron gibt auch Leopold Zeugnis von einem verantwortungsvollen Leben für die ihm Untergebenen und Schutzbefohlenen. Er widerspricht dem dummen und gefährlichen Slogan, der heute modern geworden scheint: „Religion ist Privatsache.“Ohne ihr Gottvertrauen, ohne ihren Glauben – sichtbar für alle – wären diese Heiligen keinen Heller wert und schon längst vergessen.
Im Sommer habe ich eine Nach-denk-Stelle in der Nähe des Golfhauses Geiger gesegnet. Dort ist das Wort der hl. Elisabeth geschrieben: „Ich habe euch immer gesagt, dass wir die Menschen froh machen müssen“. Dazu will ich auch hier aufrufen und Ihnen Mut machen. Möge Sie die Liebe drängen, das Gute zu tun am Nächsten!

Herzlich grüßt und segnet Sie…