Juni 2004

Liebe Geschwister im Herrn,

zwei Höhepunkte des vergangenen Monats waren sicher die FIRMUNG am 1. Mai und die ERSTKOMMUNION an Christi Himmelfahrt. Wer dabei war, wird den Verlauf der Feiern und deren Gestaltung als würdig und erhebend in Erinnerung haben. Allerdings ist es mit der Sequenz beider Geschehnisse schon schwieriger. Die Einbindung der Jugendlichen und Kinder in das Leben der Pfarre wird so gut wie unmöglich, weil nach aller Vorbereitung das Fest als „Abschluss“ der Teilnahme am kirchlichen Festkreis verstanden wird. Das fatale Mißverständnis besteht wohl darin, dass man in solchen Festen nur Gelegenheiten sieht, dem Kind oder Jugendlichen einen schönen Tag zu bereiten. Mehr darf es nicht sein. Ich kann mich erinnern an eine Mutter eines Erstkommunionkindes in der 80er Jahren, die mir sagte, dass ihr Mann klar stellte: „Mit der Kirchengeherei geht das aber jetzt nicht mehr weiter“. So hat es sich weithin eingebürgert. Zeit für Gott wird nicht mehr eingeplant. Es geht scheinbar auch ganz gut ohne ihn und der Kirche. Scheinbar. Es wird in den meisten Fällen nur der Schein gewahrt. Wenn in den Vorbereitungsstunden die Rede auf das Familienleben kommt, offenbaren sich Abgründe. Geistliche Verwahrlosung ist noch die „harmloseste“ Feststellung, die gemacht werden kann. Ich muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass Kinder in dieser Zeit der Ausprägung ohne seelische Ernährung verdorben werden. Warum hat wohl Jesus so scharf wie kaum an anderer Stelle die Mißhandlung der Kinder angeprangert: Es wäre besser(!!), ihnen ein Mühlstein um den Hals zu binden und sie zu ertränken. Und er meinte damit sicher die vorsätzliche Ignoranz, Kindern Heimat in der Kirche zu schaffen.

Es ist dringlichste Notwendigkeit, Vorbild sein zu wollen. Eltern, die ihre Kinder wie ein losgebundenes Boot dahintreiben lassen, handeln verantwortungslos. Welche Moral oder Ethik wird hier sichtbar? Ich kann keine erkennen. Es ist eine gefährliche Täuschung, ohne praktizierten Glauben leben zu können. Die Enttäuschung kommt ganz sicher, aber oft zu spät.

Am Aschermittwoch werden wir betroffen gemacht, wenn uns gesagt wird: „Wir wollen Buße tun für das, was wir gefehlt haben, und uns bessern, damit wir nicht, plötzlich vom Tod überrascht, nach einer Gnadenfrist suchen, die uns niemand geben kann. “Wer sagt, keine Zeit für Gott zu haben, lügt. Ich wünsche allen viel Zeit zum Nachdenken und zur Erforschung des eigenen Gewissens.
Besorgt um jede Seele grüßt herzlichst. . .