März 2004

Liebe Pfarrfamilie, liebe Gäste am Semmering,

Im Lesejahr des hl. Evangelisten Lukas wird am ersten Fastensonntag von den Versuchungen Jesu in der Wüste berichtet (Lk 4. 1-13). Dieses Evangelium ist damit „Starthilfe“ für die ebenso lang dauernde Vorbereitungszeit auf Ostern.
Jesus wird in den Versuchungen mit der Überlegung konfrontiert „Wenn du der Sohn Gottes bist…“ Dreimal wird ihm vom Teufel die Forderung suggeriert, „kurzen Prozess“ zu machen mit den Härten und menschlichen Schwierigkeiten, die sein Wüstenaufenthalt mit sich brachten. Es waren dies vor allem der Hunger, die Frage, mit Macht umzugehen und Eigenleistung als einziges Kriterium der Lebenssinnfrage gelten zu lassen. Kurz gesagt, Jesus erlebte die Bedrohung durch die Sklaverei von Konsum, Macht und Leistungszwang.
In diesen drei Bereichen sind wir alle wiederzufinden. Als Geschwister Jesu können wir diesen Versuchungen nicht entfliehen. Er hat sich bewusst diesen Herausforderungen gestellt, um uns zu zeigen, dass er unseresgleichen geworden ist.
Mehr noch: Er gibt in seinen Antworten auf die jeweilige diabolische Hinterlist die Aussicht auf wahre Befreiung: „Nicht nur vom Brot lebt der Mensch. “„Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen. “„Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. “
In Zeiten wie diesen sind trotz materiellem Überflusses viele unserer Mitmenschen in seelischer Hungersnot. Die Vergötzung und Voranstellung menschlicher Kunst und irdischen Könnens stellt den Schöpfer unter das Geschaffene. Die „Entmachtung“ Gottes führt jede menschliche Würde in die Besudelung und relativiert sie.
Vierzig Tage werden wir eingeladen, uns wieder mit Gott zu versöhnen. Das bedeutet, unsere tiefe Verwandtschaft mit ihm neu zu begreifen und am Ende dieser Fastenzeit jubelnd zu feiern.
Wenn du Kind Gottes bist, wenn dich Gott so sehr liebt … was folgt für mich daraus? Diese Fasten- oder Wüstentage sind – so sie ernst genommen werden – Tage der Prüfung und Einkehr in unser Innerstes. Gehen Sie sich nicht selber aus dem Weg!
Wie Jesus mit dem Beistand des Geistes Gottes seinen Weg zu den erlösungsbedürftigen Menschen gefunden hat, werden auch wir mit seiner Hilfe rechnen dürfen. Am Ende steht das leere Grab, kein erdrückender Müllhaufen angehäufter Schuld!
Erhebet die Herzen – wir haben sie beim Herrn!Herzlichst segnet Sie