Dezember 2003 / Jänner 2004

Liebe Pfarrfamilie und Gäste am Semmering,

Mag sein, dass heuer der Sparstift kürzt und verkleinert, aber sie werden wieder kommen, die unzähligen Weihnachtsfeiern in den Betrieben und Schulen, für Senioren und Vereine. Mag sein, dass SMS und E-Mail vermehrt dazu benützt werden, aber sie werden wieder versendet, die tausende Glückwünsche per Post in alle Welt. Mag sein, dass das Geld knapper wird, aber sie werden leuchten, die Auslagen der Geschäfte und die Fassaden der Einkaufsstraßen…
Ach ja, so knapp wird die Zeit während eines ganzen Jahres nicht wie in diesen drei oder vier Wochen vor Weihnachten. Irgendwie komme ich mir ausgeliefert vor. Ausgeliefert an ein unbarmherziges System; auf einem Fließband liegend, dorthin rollend, wo ich gar nicht hin will.
Hat oder kann Gott da noch ein Wörtchen mit(zu)reden? Der bedenkliche Satz aus dem Johannesprolog „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. “ hat etwas bedrohlich Aktuelles in sich. Weihnachten kann erdrücken. Es nimmt dort die Gestalt von Massenhysterie an, wo der persönliche Entschluss nicht getroffen wird, selber Ort der Geburt Jesu Christi zu werden. Man vergisst im Laufe des Lebens viele gescheiten Dinge, die man gelernt hat. Einen Satz von Angelus Silesius werde ich aber nie vergessen: „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du wärest ewiglich verloren. “So muss der Christ zum Schwangeren werden. Eine Schwangerschaft dauert bekanntlich ca neun Monate beim Menschen. Sie lässt nicht nur ein Kind heranwachsen, sondern wandelt auch die werdende Mutter vollkommen um.
Diesen Lebens-wandel fordert das Fest Weihnachten. In den Gottesdiensten des Advent kommen in den Lesungen die Propheten zu Wort, die einst das Volk in Dringlichkeit zur Umkehr aufgerufen hatten. Wer sollte uns einmal glauben, wir hätten diese Rufe nie vernommen?
So kann und will ich nichts anderes weitergeben wie Johannes der Vorläufer, der den Weg des Erlösers gebahnt hat: „Bekehrt euch alle, denn das Reich ist nahe; in rechter Buße wandelt eure Herzen. Seid neue Menschen, die dem Herrn gefallen.“
Gott gibt uns sein Wort als Nahrung. Es ist immer festlich und sättigend. Lesen Sie vermehrt in diesen Tagen in der Hl. Schrift, geben Sie dem persönlichen Gebet weiteren Raum! Dann wird der weihnachtliche Gedanke in Ihnen Wirklichkeit: „Das Wort ist Fleisch geworden und wohnt mitten unter uns.“
Verbunden im Gebet, segnet Sie…