November 2003

Liebe Geschwister im Herrn,

der sogenannte Totenmonat November beginnt. Wir Christen lenken unsere Gedanken auf das Leben „danach“. Wir sprechen von „ewiger Ruhe“, die den Verstorbenen zuteil werden möge. Besonders werden wir gemahnt, dass unsere Vorstellungskraft vom Jenseits absolut unausreichend ist: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört und keines Menschen Herz hat es je empfunden, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Da steht eine Zukunft dahinter, die unaussprechlich maßlos und großartig sein muss. Um so eigenartiger ist es, wenn sich im Falle eines (christlichen) Todesfalles auf Partezetteln merkwürdige und peinliche Formulierungen lesen lassen. Seit geraumer Zeit beobachte ich da eine Entwicklung, die christliche Hoffnung und die Gewissheit eines göttlichen Planes mit uns sterblichen Menschen schlicht ignorieren. Es ist nun auf einmal so, dass „ein letztes Dankeschön“ gesprochen wird. „Man nimmt Abschied“. Bisher wurde zur Totenmesse geladen und von Gott, dem Herrn des Lebens geredet, der den Verstorbenen zu sich gerufen hat. Nun wird „von uns gegangen“. Wohin?
Noch lächerlicher wird es mit den Sprücherln, die die Parte (verun)zieren. Als ob es nicht eine unendlich reiche und sinnvolle Auswahl aus der Hl. Schrift gäbe, nein, da wird gereimt, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Hier eine kleine Kostprobe:„Ich wär so gern bei euch geblieben, doch meine Krankheit war so schwer. D‘rum weinet nicht um mich ihr Lieben, ich brauche meine Ruhe sehr. “oder „Tretet her, ihr meine Lieben, nehmet Abschied, weint nicht mehr. Hilfe konnt ich nicht mehr finden, da mein Leiden viel zu schwer. Jetzt zieh ich jedoch von dannen, schließ die müden Augen zu. Haltet immer treu zusammen und gönnt mir die ewge Ruh.“Statt eines Kreuzes auf der Parte werden Herbstblätter und -bäume gezeigt. All das sind letzten Endes Zeichen für eine Hilflosigkeit, die im Umgang mit dem Tod offenkundig wird.

Da lobe ich mir Franziskus von Assisi, der seinen herrlichen Sonnengesang enden lässt mit einem deutlichen und deutenden Gedanken: „Gelobt seist du, mein Herr durch unseren Bruder, den leiblichen Tod; kein lebender Mensch kann ihm entrinnen. Wehe denen, die sterben in tödlichen Sünden. Selig, die der Tod trifft in deinem heiligen Willen; denn der zweite Tod kann ihnen nichts antun.“

Diese Einstellung möge uns allen in diesen kommenden Tagen gute Zuversicht schenken und ein rechtes Andenken an die Verstorbenen!
Herzlichst,…