September 2003

Liebe Geschwister im Herrn,

der vergangene Sommer hat Geschichte geschrieben. Eine lange Periode der Hitze hat den Menschen in weiten Teilen Europas zu schaffen gemacht. In Frankreich war die Rede von 5000 Toten, die diese Temperaturen hingerafft haben. Steht nun wirklich eine Klimaveränderung vor der Tür? Müssen wir unseren Lebensrythmus umstellen? Viele Fragen werden in diesem Zusammenhang laut und bedenkenswert.
Grundsätzlich gilt zu sagen, ein rechtes Maß an „Unruhe“ braucht unser Leben. Der hl. Augustinus, Bischof von Hippo in Nordafrika, sprach treffend: „Unruhig schlägt unser Herz, bis es ruht in dir“. Gemeint ist Gott, der als absoluter Ruhepol der gesamten Schöpfung gegenüber steht.
Viele haben in den vergangenen Monaten beim Suchen (und hoffentlich auch Finden) nach Erholung und Ruhe ein „Stell-dich-ein“ mit diesem Schöpfer erlebt. Sie haben gespürt, daß dieser Gott ein Verschenkender ist; stets gegenwärtig und seiner Schöpfung zugewendet. Er entzündet in uns die rechte Unruhe, ihn nicht aus dem Auge zu lassen und unseren Stellenwert in dieser Welt zu finden. Bis zum letzten Herzschlag hat jeder Mensch seinen tiefen Sinn im prachtvollen Schöpfungsmosaik.
Man hört heute so oft das Wort vom „positiven Denken“. Ist damit gemeint, eine rosarote Brille tragen zu sollen, durch die alles so ungemein herzig erscheint? Keinesfalls. Positives Denken stellt sich nur ein, wenn eine Sehnsucht in mir da ist, Gott in allem zu suchen und zu verherrlichen, wie es der hl. Ignatius ausdrückt. Am deutlichsten wird positives Denken dann, wenn Unrecht und Leid, Unwissenheit und Schwachheit bewußt ins Leben einbezogen und geheilt, ja ge-heiligt wird. Die Katechese früherer Generationen wußte viel zu sagen über die Heiligung des All-tages. Mir scheint, da ist wieder einiges nachzuholen. Je mehr wir uns dieses Auftrages bewußt werden, um so mehr wird uns die Kostbarkeit des Geschaffenen deutlich: Wir entrinnen der tödlichen Weltanschauung des Kapitalismus und des Materalismus, die brutale Ausbeutung predigt und zur Abfallgesellschaft führt.
Unruhe in diesem Sinn sei unser Beweggrund, unseren Lebensrythmus zu ändern. Ich wünsche uns allen eine gute Zeit, ein segensreiches Mühen und eine tröstliche Geborgenheit in Gott.
Herzlichst grüßt und segnet Sie…