Juli/August 2003

Liebe Pfarrfamilie, liebe Gäste und Urlauber,

wer nie in der Ferne weilte, kennt das „Heimweh“ nicht. Ein merkwürdiges Gefühl, eine echte Sehn–sucht. Heftig überfiel es mich, als ich als ungefähr siebenjähriger Bub bei meiner Großtante im fernen Frankfurt am Main die Ferien verbringen durfte. Nicht daß ich nicht gern verreist wäre. Nein, es waren die letzten Tage nach so viel Neuem, die plötzlich die Heimat wach werden ließen. Es fehlten mir auf einmal so sehr die Eltern, die Kameraden, die vertrauten Straßen und Häuser. Und dann war es so weit; nach einer nicht endender Bahnfahrt die Heimkehr, die stürmische Umarmung in der Familie, das Wissen, wieder daheim zu sein…
Heimsuchung nennen wir ein Fest, das am 2. Juli gefeiert wird, Mariä Hemsuchung. Es beinhaltet die mühevolle Wanderung der Schwangeren zu ihrer Base Elisabeth. Maria sucht den Menschen, mit dem sie über das Unfassbare reden, dem sie ihre innersten Gedanken anvertrauen kann. Sie findet ihn. Gott nennt ihr die Adresse. Er sucht sie heim. Das meint, Maria erlebt die Geborgenheit in und an der führenden Hand Gottes. Im Leben der Gottesmutter prägte sich dieses Heimweh nach Gott immer tiefer aus. Es ist sicher kein Zufall, wenn nicht all zu fern das Hochfest ihres Heimganges, ihrer Entschlafung am 15. August gefeiert wird. Es ist die beseligende Aufnahme der Jungfrau in die himmlische Heimat. Das Evangelium des Hochfestes ist das selbe wie am 2. Juli; Maria antwortet Elisabeth mit dem „Magnificat“, dem Hochgebet ihres Herzens, das eine „stürmischen Umarmung Gottes“ darstellt. Ich nenne es auch ein Gebet des Alltags, also ein Zustimmen zur liebevollen Begleitung und Führung des Herrn bis hin zum letzten Tag, dem Tag der entgültigen Ankunft daheim:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter!
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter!
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Es grüßt und segnet Sie herzlich