Mai 2003

Liebe Geschwister im Herrn,

im liturgischen Monatskalender taucht am 4. Sonntag der Osterzeit ein Hinweis auf: „Weltgebetstag für geistliche Berufe“. Schon einmal gehört? Kein gewöhnlicher Terminkalender vermeldet dieses Geschehen. Und doch wird in allen katholischen Kirchen auf der ganzen Welt an diesem Sonntag um geistliche Berufe gebetet. Den Anlass gibt der Name dieses Tages: „Guter Hirtensonntag“. Das Evangelium, in dem sich Jesus als wahrer und guter Hirte bekennt, drängt uns Christen, um Menschen zu bitten, die Christus ganz und gar nachfolgen.
In einer Zeit, die vom ständigen „Jobwechsel“ geprägt ist, wird es nicht leichter, eine lebenslange Berufung zu verkünden. Für viele Menschen scheint der Priester ein Auslaufmodell zu sein. Absurd ist es auch in den Augen moderner Zeitgenossen, zölibatär, d.h., ehelos diesen Beruf zu führen.
Und doch ist es eindeutiges Wissen des Evangeliums: Der Ruf Jesu bewirkte, dass seine Jünger a l l e s  verließen! Deutlich stellt der Herr dem guten Hirten den „Mietling“ gegenüber. In der heutigen Sprache wäre es eben nur ein kurzfristiger Job, der nach Arbeitsschluß keine Verpflichtung kennt und ins Privatleben wechselt.
Die Kirche orientiert sich ausschließlich an dem Wort Jesu. Dieses Wort, einmal an einen Menschen ergangen, fordert den Gerufenen vollständig. Die „Ausbildung“ für den pastoralen Dienst (Hirtenberuf) übernimmt der Herr selbst. Wenn er seine Jünger aufgefordert hat, keine Tasche, kein zweites Hemd usw mitzunehmen, garantiert er damit seine Verantwortung für die Gerufenen. Das Hundertfache verspricht Jesus denen, die um seinetwillen Verzicht auf so hohe Güter wie Familie und Partnerschaft leisten. Und das nicht irgendwann einmal nach dem Tod, sondern bereits hier und jetzt.
Der Gebetstag für geistliche Berufe fällt heuer auf den 11. Mai. Den merken sich die meisten besser, weil er auch der Muttertag ist. Ich finde, dass hier eine sehr gute Verbindung geknüpft werden kann. Dieser (nicht weltweit begangene) Ehrentag der Mütter hat ja nur Sinn, wenn Kinder vorhanden sind. Ist es nicht die erste Sorge der Mutter, ihrem Kind ein glückliches und sinnvolles Leben zu ermöglichen? Der geistliche Beruf hat diese tiefe mütterliche Eigenschaft in erster Linie zum Inhalt. Ein guter Hirte ist wie eine Mutter.
Beiden Berufungen mag unser Gebet und auch unser Dank an diesem Tag gelten. Dann werden wir unsere Familie, die Kirche immer tiefer als Ort der Geborgenheit und Sicherheit erkennen und lieben.
Es grüßt und segnet