April 2003

Liebe Pfarrfamilie, liebe Kurgäste und Besucher!

Könnten Sie sich vorstellen, Ostern im Herbst zu feiern? Meinetwegen statt Allerheiligen? Abgesehen, daß jeder Sonntag im Jahr die österliche Frohbotschaft verkündigt, ist Ostern doch untrennbar an das erwachende Leben des Frühlings gebunden. Oder besser gesagt, das Frühlingserwachen ist durch das Osterfest sinn-erfüllt.
Was aber die Natur so deutlich zeigt, wird im religiösen Leben oft kaum sichtbar. Viele „Christen“ lassen vermissen, daß die Auferstehung ihr Leben prägt. Ihr Leben ist ein-tönig, gleich-gültig stehen sie dem liturigischen Festkreis gegenüber; d.h., sie gehen nicht hinein in diesen Erneuerungsprozess, der ihr Inneres erfüllt mit gläubigem Staunen und Jubel über die einzigartige Liebe Gottes zum sterblichen Menschen. Es bleibt beim Osterhasen, den man schon im Feber in den Regalen der Geschäfte finden kann. Überhaupt geht die Weisheit immer mehr verloren: „Halte die Zeit, dann hält dich die Zeit“. Das will meinen, ein richtiges Festfeiern gibt dem Leben Höhepunkte, bringt guten Lebensrhythmus in Gang. Statt dessen verlangt der egoistische Mensch unserer Zeit, zu jeder Zeit das tun zu dürfen, was er gerade will. Dadurch gleicht er einem Blatt im Herbst, das abgeworfen wurde vom Baum und einmal da oder dort hin treibt. Für mich Grund zur Frage am Beginn.
Allein die Abwesenheit bei so wichtigen Vorbereitungsschritten wie dem Kreuzwegbeten, dem vermehrten Besuch der Gotteshäuser, vom Ignorieren des Bußsakramentes überhaupt nicht zu reden, zeigt die wachsende Erkaltung des Herzens, das Zunehmen der Abgestumpftheit des Gewissens.
Wir wären aber nicht die Kirche des Kreuzträgers und des Siegers über den Tod, würden wir es bei diesen bedrückenden Feststellungen belassen. Tiefer Trost wurde mir plötzlich zuteil beim Anblick der drei älteren Teilnehmer der ersten Kreuzwegandacht. Siehst du, hörte ich da in mir, das ist die „Armee Jesu“! „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Da werden alle „Fun-massen“ bedeutungslos, verlieren Events ihr Gewicht. Jetzt hört sich das Wort bei der letzten Kreuzwegstation anders an: „Wir sollen nicht trauern (damit ist ein ganzer Lebensprozess gemeint!) wie die anderen, die keine Hoffnung haben.“ Hoffnungslosigkeit äußert sich meistens durch „keine Zeit haben“, Ausbeutung der Lebensresourcen und Ablehnung jeglicher Opferbereitschaft.
Unabdingbare Voraussetzung für Ostern ist aber die Hoffnung, dazu Glaube und Liebe. Das Kreuz ist einziger Ausgangspunkt zum leeren Grab, zum lebendigen Christus.
Christen sind die lebendigen Triebe, die im Kreuzesholz wurzeln. Besser kann man den Unterschied zu den „Herbstblättern“ nicht verdeutlichen.
Viel österliche Gnade und Mut zur christlichen Lebensordnung wünscht Ihnen