März 2003

Liebe Geschwister im Herrn,

Wir sind keine Küstenbewohner. Das weite Meer ist uns höchstens als ein herrliches Urlaubserlebnis in Erinnerung oder aus zahllosen Filmen bekannt. Viele sind fasziniert, wenn Sie am Strand hinaus auf die endlose Weite blicken. Was unter der Wasseroberfläche ist, können wir kaum erahnen. Paul vom Kreuz, ein Italiener hat viel Zeit seines Lebens an den Meeresgestaden verbracht; das Meer drängte sich ihm auf als Symbol der Weite und Tiefe der Liebe Gottes.
Warum nicht einmal die Fastenzeit so beginnen, als stünde der Urlaub, die Ferien vor der Tür? Nicht nur das, die Fastenzeit als Urlaub zu verstehen und zu begehen! Sie glauben gar nicht, wie sehr sich Fastenzeit (40 Tage!!) und Urlaub (sehr knapp bemessen) in ihren Inhalten ähnlich sind. Letzterer ist hart verdient. Auch die Fastenzeit kennt eine Art von Härte bzw. Durchhalten. Urlaub versteht sich als Wohltat für Leib und Seele. Die Fastenzeit will absolut nichts anderes. Sie gibt durch eine gezielten Abstinenz dem Körper wieder Vitalität und fördert das physische Wohlbefinden. Die Seele hingegen wird als ungeheuere Tiefe erlebt, weil der psychische Rythmus wieder richtig klingen darf.
Die alltägliche Oberflächlichkeit wird durch-kreuzt. Wir müssen in die Tiefe, damit uns unsere ganze Persönlichkeit bewußt wird. Ja, wie geht das jetzt wirklich? Bleiben wir beim Vergleich mit dem Urlaub:Den bereiten wir sorgfältig vor; wir packen das in die Koffer, was uns hilft, erholsame Tage zu erleben. So ist auch beim „Fasten“. Da nehmen wir Dinge ins Visier, die uns die Tiefendimension unserer Persönlichkeit erlebbar machen. Als wichtigstes Instrument brauchen wir den gewaltlosen Jesus, dessen Wort „Kommt alle zu mir, die ihr euch abplagt und stöhnt! Ich werde euch Ruhe verschaffen in eueren Herzen! “eine Garantie für eine richtige Fastenzeit ist. Er zeigt ein durchbohrtes Herz her und zwar vom Kreuz herab. Da ist ihm die Speerspitze aller Feindseligkeit verpasst worden. Wir haben keinen Grund mehr, uns zu üben in diesen Disziplinen des Bösen. Das Kreuz wird uns zur Quelle des Friedens und der Erlösung, der Erleichterung. Fastenzeit heißt, seine bösen Absichten durch-kreuzen zu lassen, aus tiefer Lebenslust und Lebensfreude das Kreuz des Herrn zu preisen als Rettungsholz und Baum des Über-lebens. Der Kreuzweg ist also kein Weg der sinnlosen Qual, sondern der Pfad zur einzigen Lebensqualität.
„Aus der Tiefe rufe ich, N. N. zu Dir.“ steht als Überschrift zu Beginn dieser Seite. Am Aschermittwoch beginnen wir mit dem ersten Schritt in diese Tiefe der Liebe und Geborgenheit!

Es grüßt und segnet Sie